Samstag, 7. Juli 2018


Aufleben statt aufgeben!

Clementine beschließt zu sterben. 

In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. 

Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. 


Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater finden. 


Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will - und nicht wie andere es erwarten.


Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse –- und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war...

Die Geschichte wird von Clementine höchstselbst erzählt. Und diese Frau ist weder direkt sympathisch, noch wirklich herzerwärmend. Die Malerin nimmt in ihren Erzählungen kein Blatt vor den Mund, wirkt egozentrisch und manchmal sogar unbeschreiblich arrogant. Doch je länger ich gelesen habe, desto mehr fragte ich mich: wären wir das nicht alle, wenn wir nur noch 30 Tage zu leben hätten und endlich nur das tun, was wir wollen? Denn genau das hat die Hauptfigur verinnerlicht und zieht es gnadenlos durch. Was zunächst abschreckend wirken kann, hat mich mehr und mehr in den Bann gezogen und ich musste sogar ein ums andere Mal lachen, wenn Clementines direkte Art so gar nicht mit den Erwartungen ihrer Umwelt zusammenpassen wollte.
Der Schreibstil ist flüssig, mit einem humorvollen sarkastischen Touch. Es machte Spaß, dass Buch zu lesen. Doch Clementines Leben war nicht immer nur zum Schmunzeln, es gab viel Nachdenkliches, Berührendes und Aufwühlendes zu lesen. Die Autorin hat ihre Hauptfigur sehr gut gezeichnet. Ich liebte diese schräge Person mit ihrem eigensinnigen Kater. Auch die anderen Figuren fand ich gut getroffen und konnte sie mir bildlich vorstellen, ja den meisten bin ich im wahren Leben tatsächlich schon begegnet.

"30 Tage und ein ganzes Leben" ist irgendwie ein ganz anderer Roman. Das liegt wahrscheinlich am Thema, welches hier aufgegriffen wird, welches nämlich nicht fiktiv bzw. konstruiert ist, sondern wahrscheinlich im Alltag einige Menschen beschäftigt. Es geht um eine Frau (Clementine), die genug vom Leben hat und sich selbst eine Frist von 30 Tagen setzt, um ihr Ableben zu organisieren, denn sie will sich selbst noch Zeit geben, damit das alles in mehr oder weniger geordneten Bahnen verläuft. In diesen 30 Tagen passiert aber so einiges, welches den Blick auf das Leben von Clementine grundlegend verändert. Plötzlich wird das Leben wieder lebenswert...

Es ist wirklich ein Buch, welches zum Nachdenken anregen kann, auch weil die Protagonistin wirklich authentisch und nah rüberkommt. Man kann sich gut in sie hineinversetzen und hat am Anfang auch irgendwie Verständnis für ihre Entscheidung und doch merkt man, dass sie mit sich selbst im Zwiespalt ist. Tolle Gefühle kommen beim Lesen rüber.
,,Ich konnte nicht mit den Tabletten leben. Da war ich mir ganz sicher. Und ohne sie zu leben war gefährlich, nicht nur für mich, sondern auch für alle, die mir etwas bedeuten.'' - Seite 20

,,»Ich denke über den Tod nach.«
»Tun wir das nicht alle?« sagte sie lachend.'' - Seite 113

,,Ich war nicht hungrig oder durstig. Ich wollte überhaupt nichts sein. Ich wollte nicht mehr existieren.'' - Seite 175

,,»Du hast Zeit« sagte Elaine.
»Weniger, als du denkst.«'' - Seite 264

,,»Wenn jemand so traurig ist, dann tut er manchmal etwas, das für andere keinen Sinn ergibt.«'' - Seite 302

,,»Eltern können keine Wunder vollbringen. Wenn man mit ihnen aufwächst, lernt man das. Manchmal sind sie sogar noch kaputter als man selbst.«'' - Seite 318

,,Gesunde Menschen, die keine Medikamente benötigen, wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.'' - Seite 346

,,»Ich werde niemals gesund werden.«
»Das kannst du nicht wissen.«
»Ich weiß es aber.«'' - Seite 378

,,Ich wollte nicht hier sein. Nicht in dieser Straße. Nicht in dieser Stadt. Nicht in dieser Wirklichkeit.'' - Seite 379

,,Keiner braucht mich noch. Keiner sollte mich brauchen.'' - Seite 379

Als kleines Goodie, gibt es am Ende des Buches einen 30-Tage-Kalender mit tollen Ideen, wie man täglich etwas Gutes für sich oder seine Mitmenschen tun kann.

Das Buch ist sehr aufwendig gestaltet und auch wenn das farbenfrohe Covermotiv meiner Meinung nach nicht so richtig zum Inhalt passt, ist es ein echter Hingucker. In die Geschichte war ich regelrecht vernarrt, denn Clementine ist ein sehr interessanter Charakter. Stellenweise war die Geschichte sehr spannend, denn es gab ein paar Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.