Freitag, 20. April 2018





Mit sechs wiederholt vergewaltigt, mit 13 an Magersucht erkrankt, mit 21 ausgerechnet in einem Bordell Zuflucht gesucht: Lilly Lindners wortgewaltige Autobiographie "Splitterfasernackt" nahm unzähligen Menschen den Atem. 

In "Winterwassertief" erzählt sie, was danach kam: Von der Schwierigkeit, mit ihrer nackten Geschichte plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen, von der Ambivalenz ihrer eigenen Gefühle – aber auch von den berührenden Begegnungen, die sie seit dem Erscheinen von "Splitterfasernackt" hatte: mit Menschen, die ähnliche Schicksale haben wie sie, die sich ihr anvertrauen und denen sie mit ihren Worten helfen konnte. 

Für Lilly Lindner wurde der Schritt in die Öffentlichkeit zur Zerreißprobe. 

Am Ende ist sie daran gewachsen und 
schöpft heute Kraft daraus, für andere da 
zu sein, zuzuhören und Mut zu machen.


"Winterwassertief" von Lilly Lindner ist der zweite Teil von "Splitterfasernackt". Da ich "Splitterfasernackt" so mitreißend fand, wollte ich dieses auch gern lesen. Lilly Lindner ist es gelungen mit Worten Kunst zu machen. Sie hat eine außerordentliche Begabung dafür, durch das Aneinanderreihen von Worten Bilder zu erzeugen. Sie selbst schreibt es zwar immer wieder, dass es keine schöne Geschichte sei. Aber es müssen ja auch nicht zwangsläufig schöne Bilder sein, die einem vor dem geistigen Auge erscheinen. Als ich "Winterwassertief" gelesen habe, sah ich die abgemagerte Lilly direkt vor mir. Mit ihrem roten Armbändchen. Und wie sie sich selbst "Ana" nennt. Lilly kann mit ihren Worten Menschen mitreißen und ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Dennoch hatte ich am Anfang ein wenig Schwierigkeiten in das Buch hineinzukommen, aber ich denke es lag warum auch immer einfach an mir. Nach und nach bin ich immer mehr reingekommen und war sofort dabei. Theoretisch konnte ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. 


Ich würde beide Bücher, auch "Splitterfasernackt", jedem empfehlen, der glaubt, was Schmerz ist und wie man damit umgehen kann, muss, soll.

Mir hat es tiefen Einblick gegeben, denn ich habe nicht verstanden, wie man sich selbst verletzt - körperlich. Ich wusste vom Verstand her, dass Menschen, die sich selbst Gewalt antun, sich nicht fühlen, aber Lilly Lindner macht es für mich auch fühlbar. Das ist alles viel zu wenig. Einfach unbeschreibbar, man müsste ein Buch verfassen.